► Kuba

Zusammenfassung des Interviews im Februar 2016 mit dem Amtstierarzt Dr. Dunieski Marcial vom Veterinäramt in Jaguey Grande auf KUBA und der 1. Vorsitzenden des Tierschutzvereins FELLNASEN e.V. Daniela Werner:

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DW: Wie alt werden hier Hunde und Katzen normalerweise?
Dr.M: Hunde werden etwa 10-12 Jahre alt, wenn sie ein Zuhause haben und versorgt werden und Katzen in etwa 8-9 Jahre. Strassenhunde, die keine feste Bezugspersonen haben, die sich um sie kümmern, werden natürlich nicht so alt.


DW: Mit welcher Art von Parasiten haben Sie hier zu kämpfen?
Dr.M: Die Tiere plagen sowohl Flöhe, Zecken, Würmer und Milben. Aber auch die Mücken machen ihnen zu schaffen.


DW: Welche Krankheiten sind häufig zu finden?
Dr.M: Die Hunde haben meistens sowas wie Dermatitis oder Räude. Also Hautkrankheiten sind häufig der Fall.


DW: Wie behandeln Sie die Krankheiten und die Parasiten? Mit welchen Mitteln?
Dr.M: Meistens können wir sie nicht behandeln, da die Medikamente dafür fehlen. Wir haben weder die Mittel vorbeugend zu behandeln, noch wenn die Tiere schon erkrankt sind. Wir kämpfen mit den Nachwirkungen dieser Parasiten, wie Borreliose und Ehrlichiose und haben nichts da, um den Tieren Linderung zu verschaffen. Die Moskitos (Mücken) übertragen Viren, die nur mit Antibiotika zu behandeln wären. Wir haben aber keines da.


DW: Wie geht die Stadt damit um oder woher bekommen Sie Unterstützung?
Dr.M: Das interessiert niemanden. In unserer Stadt muss man sich an das Rathaus wenden - aber die haben kein Interesse am Tierschutz oder an den Strassentieren. Wir erhalten keinerlei Unterstützung und sind auf uns selbst gestellt. In großen Touristenstädten wie Havanna oder Varadero sieht das anders aus.


DW: Was bedeutet das? Inwieweit bekommen die dort Unterstützung?
Dr.M: Die Städte dort haben ein Interesse, die Strassentiere zuversorgen, weil dort Touristen hinkommen. Die haben dort viel mehr Möglichkeiten als wir. Sie erhalten Medikamente und Operationsmaterial für die Tiere. Auch gibt es dort Tierheime und auch Organisationen wie Sie, die sich um Tiere kümmern.


DW: Für mich stellt sich die Frage, ob es gut ist, dass es dort Tierheime gibt. Ist es nicht besser, wenn die Tiere frei umherlaufen? Denn ich gehe davon aus, dass die Tiere das Tierheim nie wieder verlassen und dort den Rest ihres Lebens verbringen müssen. 
Dr.M: Ja, das stimmt so. Kein Kubaner geht ins Tierheim und holt sich einen Hund. Die Tiere werden ihr ganzes Leben dort verbringen.


DW: Wo sitzt das für Sie zuständige höhere VetAmt?
Dr.M: In Matanzas – etwa 1,5 Stunden entfernt. Aber auch die bekommen wenig Mittel.


DW: Der Tierarzt hier im Ort hat mir ähnliches erzählt und auch, dass wenige Kubaner mit ihren „Haus“-Tieren zum Tierarzt gehen. Liegt das am Finanziellen oder an der Gleichgültigkeit?
Dr.M: Teils-Teils. Natürlich sind Viele arm und können sich nicht leisten mit ihren Tieren zum Tierarzt zu gehen. Aber hier ist die Einstellung zu einem Tier eben auch eine andere. Es ist für die Meisten nur ein Tier und wenn es krank ist, dann ist es eben krank und muss selbst zurecht kommen oder eben sterben.


DW: Wie geht man hier mit Straßentieren um? Gibt es staatliche „Säuberungsaktionen“ oder ähnliches?
Dr.M: Ja, so etwas in der Art. Alle 2 Monate fährt hier ein LKW durch die Straßen und alle Tiere die ein wenig krank aussehen oder so aussehen, als wären sie nicht versorgt worden, werden eingefangen.


DW: Was passiert mit ihnen?
Dr.M: Sie werden ausnahmslos getötet.


DW: Wie werden sie getötet?
Dr.M: Sie bekommen eine Spritze und werden dann verbrannt.


DW: Was ist dran an dem Gerücht, dass Hunde bei lebendigem Leibe den Krokodilen vorgeworfen werden?
Dr.M: Dass Hunde den Krokodilen vorgeworfen wurden, hat es wohl schon gegeben – habe ich aber selbst noch nicht erlebt. Aber nicht bei lebendigem Leib. Sie müssen vorher auf jeden Fall getötet werden.


DW: Das beruhigt mich ein wenig. Gibt es auf Kuba ein Tierschutzgesetz? Und wenn ja: für welche Tiere?
Dr.M: Ja, es gibt eins. Aber es wird nicht umgesetzt. Viele Tierarten sind inbegriffen, aber es wird größtenteils nur für die Lebensmittelindustrie umgesetzt. Also große Schweinebetriebe z.B. müssen sich an bestimmte Hygienevorschriften halten und das wird auch überprüft.


DW: Das heißt, dass der Straßenhund auf der Strecke bleibt oder das arme einzelne Schwein im Hinterhof in einer viel zu kleinen Box oder das in der heißen Sonne angekettete Pferd?
Dr.M: Ganz genau. Leider.


DW: Das heißt, Sie würden gern etwas dagegen tun?
Dr.M: Ja, aber uns fehlen die Möglichkeiten. Wir haben keine Unterstützung. Wenn ich etwas ganz Extremes sehe, schreite ich ein und es gibt Auflagen. Aber diese zu kontrollieren ist fast unmöglich.


DW: Wie sieht es mit Kastrationen aus? Vermutlich gibt es keine Kastrationsprojekte von Straßentieren, richtig?
Dr.M: Ja, leider. Wir würden gerne kastrieren, aber wir haben weder Antibiotika, noch Operationsmaterial.


DW: Sie haben keine Narkosemittel? „gasp“-Emoticon
Dr.M: Genau. Es fehlt an Allem. Wir haben keine Narkosemittel, keine Fäden, um Wunden zuzunähen oder Wundmaterial wie Jod oder ähnliches.


DW: Wenn Sie einen angefahrenen Hund reinbekommen oder sehen – Sie können ihn also nicht operieren? Sie müssen ihn einschläfern?
Dr.M: Genau. Wenn wir doch mal an Material herankommen, fehlt es uns danach um einen Aufenthaltsort.


DW: Das heißt, wenn Sie ein Tier doch mal operieren können, müssen Sie es sofort wieder auf die Straße aussetzen?
Dr.M: Ja, oder dem Besitzer zurückgeben. Einige Tierärzte legen die Tiere dann angebunden irgendwo auf den Fußboden, wo gerade Platz ist. Aber Sie haben die Tierarztpraxen gesehen – da ist nicht viel Platz.


DW: Ja, das habe ich. Achherrjeeee….das ist ja furchtbar. Wie kann man da Abhilfe schaffen? Würden Sie mit dem Rathaus Kontakt aufnehmen, wenn wir aus Deutschland Hilfe anbieten können?
Dr.M: Das wäre eine Möglichkeit. Normalerweise interessieren die sich nicht dafür. Aber wenn wir Hilfe von Ihnen erhalten würden, vielleicht lassen sie mit sich sprechen.


DW: Inwieweit können wir aus Deutschland aus Hilfe leisten?
Dr.M: Wie schon gesagt, benötigen wir alles…… Mittel gegen Parasiten, Operationsmaterial, Nadel und Fäden für Operationen, Verbandsmaterial, Antibiotika, Desinfektionsmaterial, Narkosemittel etc.


DW: Macht es Sinn, Ihnen Geld zu schicken und Sie besorgen sich das, was Sie benötigen?
Dr.M: Nein, denn wir können es nicht besorgen – es ist nicht verfügbar. Es ist besser, wenn Sie Pakete senden. Bis 3 Kilo sind Medikamente Zollfrei auf Kuba.


DW: Ok – ich darf nur 2 Kilo-Päckchen schicken, denn alles darüber muss von der Botschaft genehmigt werden. Aber das bekommen wir auf jeden Fall hin. Macht es Sinn, Tiere nach Deutschland ausreisen zu lassen?
Dr.M: Für jedes Tier was nicht hier leben muss, ist es vermutlich das Schönste.


DW: Kommen die Tiere aus Kuba mit unserem Klima zurecht und gibt es auf Kuba Tollwutimpfungen?
Dr.M: Ja, sie würden auch in Deutschland zurechtkommen. Tollwutimpfungen gibt es bei uns nur in großen Tierkliniken. Aber ja, das wäre möglich.


DW: Haben Sie denn Tollwutfälle auf Kuba?
Dr.M: Ja, haben wir leider.


DW: Gibt es hier Mikrochips und Titerbestiimmungen (Bluttests)?
Dr.M: Die Chips müssen bestellt werden – das machen die in der Tierklinik auf Wunsch. Der Bluttest würde auch in der Tierklinik gemacht werden, muss dann aber zur Behörde in Matanzas gebracht werden und erst dort bekommt man die Papiere für die Titerbestimmung – also für die Ausreise. Die Wege hier sind immer sehr lang – aber es ist möglich.


DW: Ich denke, dass Sinnvollste ist immer, IN dem betroffenen Land zu helfen und wir würden sie gern unterstützen, damit Sie Ihre Arbeit machen können. Der Tierarzt hier im Ort hat mir schon eine Liste geschrieben, mit den Sachen, die er dringend braucht. Können Sie uns auch so eine Liste fertig stellen? Damit wir Ihnen nicht das falsche Narkosemittel schicken und dann können Sie nicht damit arbeiten und die Tiere liegen im 100 jährigem Tiefschlaf „wink“-Emoticon
Dr.M: Lacht….. ja, sehr gern. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns helfen würden und wir hier vorankämen.


DW: Und bei meinem nächsten Besuch, gehen wir gemeinsam zum Rathaus! 
Dr.M: lacht…. Ein Versuch ist es allemal Wert.

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Das war der Zusammenschnitt des Gespräches mit dem Veterinärarzt und erklärt ziemlich deutlich, dass Kuba VOR ORT Hilfe benötigt. Und wenn es nur Päckchen sind, die wir schicken können mit Material, um die Straßentiere zu versorgen. In den letzten Wochen, seitdem ich zurück bin, habe ich 4 Pakete auf eigene Kosten verschickt mit den ersten Materialien und der Tierarzt und der Veterinär lassen liebe Grüße ausrichten und dass sie sich riesig gefreut haben. Es kommt ganz sicher an, weil mein Vater vor Ort ist und die Pakete entgegennimmt und die Sachen dann persönlich beim Tierarzt und Veterinäramt vorbeibringt. 

Wir haben einen Deal mit dem Hauptpaketamt in Matanzas ausgemacht, die mein erstes Paket vereinnahmten, weil sie Drogenschmuggel vermuteten. Erst nachdem mein Vater dort hingefahren ist und die dann den Veterinärarzt vor Ort mit ins Boot genommen hatten, haben sie die Medikamente freigegeben. Natürlich musste er für den Aufwand 70 Euro bezahlen. Sehr typisch. 
Bei jedem Paket wird jetzt der VetArzt gerufen und er gibt die Medikamente frei und sendet es weiter zu meinem Vater – kostenlos ab sofort, weil sie die Aktion auch super finden. Sie wissen Bescheid, dass nun öfter Päckchen ankommen sollen. Es dauert dann eben anstatt 2 Wochen 2-3 Tage länger.


Das geht allerdings nur, wenn Ihr alle mit anpackt !!!!


Da wir nur bestimmtes Material schicken können – weil die Tierärzte sich damit einigermaßen auskennen müssen – ist es am Sinnvollsten, wenn Ihr uns dazu finanziell unterstützen würdet. Wir haben Stellen ausfindig gemacht, wo wir die Sachen bestellen / in Auftrag geben können und bekommen alles etwas kostengünstiger. Des Weiteren versuchen wir noch einen Deal auszuhandeln mit einem deutschen Pharmakonzern, der zufällig auch auf Kuba (Nähe Havanna) produziert. Aber da mahlen die Mühlen auch im Schneckentempo.


Wir würden Fotos machen, von den Paketen die losgeschickt werden und ein Kuba-Album auf unserer Fellnasen-Seite veröffentlichen, damit ihr auf dem Laufenden bleibt bei den Lieferungen. Fotos kommen via eMail leider nicht durch aus Kuba. 

 

Wenn Ihr uns bei diesem Projekt unterstützen möchtet, wären wir Euch sehr sehr dankbar. Bitte benutzt dafür folgende Bankdaten:

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Betreff: Kuba-Hilfe

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Wir danken Euch sehr „heart“-Emoticon